Verhinderungspflege

Wenn Sie als pflegender Angehöriger wegen Urlaub oder Erkrankung Ihren pflegebedürftigen Angehörigen nicht versorgen können, zahlt die Pflegekasse eine notwendige Ersatzpflege, die sogenannte Verhinderungspflege.    

Wie lange haben Sie Anspruch auf Verhinderungspflege?

Für maximal 42 Tage, d.h. sechs Wochen, pro Jahr haben Sie Anspruch auf Verhinderungspflege. In diesem Zeitraum zahlt die Pflegekasse das Pflegegeld für bis zu sechs Wochen zur Hälfte weiter.

Gibt es Voraussetzungen um Verhinderungspflege beantragen zu können?

Ja. Damit Sie die Verhinderungspflege beantragen können um Verhinderungspflege zu beziehen, müssen Sie vorab die pflegebedürftige Person für mindestens sechs Monate in seiner häuslichen Umgebung versorgt haben.

Dürfen auch professionelle Pflegekräfte die Pflege übernehmen?

Ja, erwerbsmäßig tätige Personen können - sofern sie nicht bis zum zweiten Grad verschwägert oder verwandt sind - die Pflege übernehmen. Ebenfalls können Nachbarn oder Bekannte die Versorgung übernehmen.

Verhinderungspflege bei demenziell Erkrankten?

Ja, auch Personen, bei denen Pflegegrad 1 (entspricht Pflegestufe 0) anerkannt wurde, haben seit dem Pflege-Neuausrichtungsgesetz (Anfang 2013) einen gesetzlichen Anspruch Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen.

Wie hoch ist die Verhinderungspflege?

Die Höhe der Leistung der Verhinderungspflege ist pro Kalenderjahr maximal 1.612€ und hängt davon ab, von wem die Pflege übernommen wird. Wird die Verhinderungspflege von einem ambulanten Pflegedienst oder von Nachbarn bzw. entfernten Verwandten übernommen, ist die Obergrenze 1.612€. Die Abrechnung erfolgt auf Stundenbasis. Wenn ein naher Angehöriger die Verhinderungspflege übernimmt, besteht lediglich die Fortzahlung des Pflegegelds - je nach Pflegegrad verschieden. Sofern nachgewiesen wird, dass für die Pflegeperson besondere Aufwendungen notwendig sind wie z.B. Verdienstausfall oder Fahrtkosten, können die Leistungen bis auf 1.612€ aufgestockt werden.

Pflegegrad Leistungshöhe
Pflegegrad 1  -
Pflegegrad 2 316 €
Pflegegrad 3 545 €
Pflegegrad 4 728 €
Pflegegrad 5 901 €

Rechenbeispiel

Der pflegende Angehörige ist für 17 Tage erkrankt und kann deshalb die Pflege nicht leisten. Vor dieser Verhinderungspflege erhielt der Pflegebedürftige Pflegegrad 2 in Höhe von 316 € im Monat. Für den ersten und letzten Tag wird das Pflegegeld in voller Höhe gezahlt (2/30 von 316€ = 21,07€). An den übrigen 15 Tagen wird die Hälfte des Leistungsanspruchs gezahlt (15/30 von 158€ = 79€). Insgesamt werden für die 17 Tage Verhinderungspflege 100,07€ gezahlt.

Stundenweise Verhinderungspflege

Einige Pflegeanbieter bieten Verhinderungspflege auch stundenweise an. Wenn Sie zum Beispiel mit ihrem Partner einen Abend ins Kino gehen möchten und für diese Zeit Ihren Pflegebedürftigen versorgt wissen möchten, übernehmen Mitarbeiter von professionellen Pflegeanbietern Ihre Aufgabe, die dann stundenweise vergütet werden. Um kein Risiko einzugehen empfehlen wir, dass Sie sich frühzeitig mit der entsprechenden Pflegekasse zu diesem Sachverhalt austauschen. Insgesamt darf auch hier der Höchstbetrag von 1.612 € im Jahr nicht überschritten werden.


Verhinderungspflege beantragen

Es muss ein Antrag auf Verhinderungspflege gestellt werden. Gerne unterstützen wir Sie dabei. Den Antrag müssen Sie bei der Pflegeversicherung des Pflegebedürftigen einreichen. Der Antrag muss nicht zwangsläufig im Voraus gestellt werden, sondern das Geld kann auch noch im Nachhinein ausgezahlt werden. Kontaktieren Sie dazu einfach die entsprechende Pflegekasse oder lassen Sie sich unabhängig beraten. 

 

Unabhängige Pflegeberatung

Lassen Sie sich von einem unabhängigen Pflegeberater unterstützen. Dieser weiß am besten, was es in der konkreten Situation braucht. 

Antrag ohne Berater stellen

Damit  Sie bei der Beantragung an alles denken, haben wir für Sie einen kompakten Ratgeber erstellt. Dieser beinhaltet alles, was Sie im Pflegefall wissen sollten.