Pflegegrade

Durch die Pflegereform, d.h. zweite Pflegestärkungsgesetz, ersetzen seit dem 1. Januar 2017 fünf Pflegegrade die drei Pflegestufen und werden somit zum neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff. Die Pflegegrade - Pflegegrad 1 bis Pflegegrad 5 - orientieren sich am Grad der Selbstständigkeit. Bislang richtete sich seit der Einführung der Pflegeversicherung im Jahr 1995 der Grad der Pflegebedürftigkeit nach dem minütlichen Pflegeaufwand und die Pflegebedürftigen wurden Pflegestufen eingeteilt.


Pflegegrade, so werden sie ermittelt

Die Einstufung in einen der Pflegegrade ist der zentrale Dreh- und Angelpunkt bei der Finanzierung des Pflegefalls. Dabei gehen Sie wie folgt vor: 1. Antrag anfordern, 2. Antrag auf Pflegegrad stellen, 3. Begutachtung. Den Pflegegraden liegt eine Bemessung der Selbstständigkeit in sechs Kriterien zugrunde, die im Begutachtungsassessment - dem sog. NBA, bestimmt werden. Während der Pflegegradbegutachtung werden Punkte je nach Schwere der Beeinträchtigung in diesen sechs Modulen ermittelt. Insgesamt können maximal 100 Punkte erreicht werden. Ob eine eingeschränkte Alltagskompetenz (Demenz) vorliegt, wird weiterhin beachtet.


Pflegebegutachtung

Pflegegrad Bewertungskriterien bei der Pflegegradbegutachtung

1. Mobilität: In diesem Modul "Mobilität" werden fünf Positionen, sog. Items, überprüft: Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen.

2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Dieser Bereich ist neu, da bis dato bei der Einstufung in eine Pflegestufe nicht die psychosoziale Unterstützung berücksichtigt wird. Zukünftig berücksichtigt der Pflegegrad folgenden Hilfsbedarf: Verwirrtheit, Depressionen und Strukturierung des Tages.

(Graphik selbst erstellt)

3. Verhaltensweise und psychische Problemlagen

Dieses Kriterium wird bereits bei der Einstufung in eine Pflegestufe berücksichtigt und soll auch im neuen Begutachtungsassesment zum Pflegegrad zu Grunde gelegt werden.

4. Selbstversorgung

Kann die Person, die begutachtet wird, für eine bestimmte Zeit alleine (z.B. ohne Angehörige) gelassen werden? Erkennt die Person noch Gefahren, z.B. in der Küche, beim Überqueren der Straße? Es geht hier also um Fragen der Selbständigkeit.

5. Unterstützung beim Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen

Da der Großteil pflegebedürftiger Personen nicht mehr ohne medizinische Unterstützung auskommt, soll zukünftig die Selbstständigkeit bei der Blutzucker-Messung, Wundversorgung und Medikamenteneinnahme überprüft werden.

6. Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte

4,5 Mio. Pflegebedürftige ohne Pflegestufe wurden im Jahr 2014 in informellen Pflegearrangements, d.h. von ca. 6,75 Mio. Angehörigen versorgt. Zukünftig soll ebenfalls überprüft werden, wer Hilfe leisten kann. Können die Angehörigen die Pflege übernehmen oder bedarf es professioneller Unterstützung?

Pflegegrade Gutachten

Pflegegrad benötigte Punktanzahl
Pflegegrad 1 ab 12,5
Pflegegrad 2 ab 27
Pflegegrad 3 ab 47,5
Pflegegrad 4 ab 70
Pflegegrad 5 ab 90

Am Ende des Begutachtungverfahrens werden die Punkte aller sechs Module addiert und der Pflegegrad, z.B.  Pflegegrad 2, Pflegegrad 3 oder Pflegegrad 4, anhand der links dargestellten Skala (0 bis 100) bestimmt.

Die Höhe der Leistungen, d.h. Pflegegeld und Pflegesachleistung, korrelieren mit der Höhe der Grade. Interessanter Link:


Pflegegrade Leistungen

Leistung / Pflegegrad 1 2 3 4  5
Geldleistung ambulant    316 € 545 € 728 € 901 €
Sachleistung ambulant    689 € 1.298 € 1.612 € 1.995 €
Entlastungsbetrag ambulant
125 € 125 € 125 € 125 € 125 €
Leistungsbeitrag vollstationär 125 € 770 € 1.262 € 1.775 € 2.005 €
bundesdurchschnittlicher pflegebedingter Eigenanteil   580 € 580 € 580 € 580 €


Wechsel Pflegestufe zu Pflegegrad

Damit kein Pflegebedürftiger, der bereits heute in einer Pflegestufe eingestuft war, nach der Einführung der Pflegegrade schlechter dasteht, gab es eine feste Zuordnung der Pflegestufen in das neue Pflegegradsystem. Dabei wird jeder Pflegestufe ein Pflegegrad zugeordnet.


Erfolgreich Pflegegrad beantragen 

 

In unserem kompakten Ratgeber zeigen wir Schritt für Schritt auf, wie Sie auch ohne professionelle Unterstützung erfolgreich den Pflegegrad beantragen. Darüber hinaus machen wir Sie auf Ihre Leistungsansprüche aufmerksam, die für Ratsuchende am Anfang sonst schwer zu überblicken sind. Das Gute: Alle Kosten, die für die Inanspruchnahme der Leistungen entstehen, werden von der Pflegekasse getragen. Mitunter handelt es sich um einige hundert Euro im Monat, die Sie sich nicht entgehen lassen sollten.